Akkermansia, das Bakterium der Schlanken und Sportlichen

Als man Akkermansia entdeckte, bekam man zuerst einen Schreck, weil man glaubte, da sitzt ein Pathogenes und versucht sich durch die Darmwand zu bohren. Aber das war falsch. Man hatte Akkermansia muciniphila entdeckt, das einfach in seinem Zuhause in der Darmschleimhaut saß und an der Schleimschicht knabberte, wie es seine (ihre?) Art ist. Wie sich herausgestellt hat, ist Akkermansia muciniphila ein sehr nützliches und deshalb gern gesehenes Bakterium im Darm.

Was machen die da?

Wie der Name schon sagt, lieben diese Bakterien Mucus, also den Schleim der Mucosa. Die Mucosa hat eine Oberfläche aus Glycoproteinen. Das sind Proteine, die Seitenketten aus verschiedenen Zuckern enthalten und diese Zucker wiederum andere Seitenketten. Ein sehr komplexe Angelegenheit. Aber Akkermansia kann die abspalten und sich davon ernähren. Sie produzieren daraus kurzkettige Fettsäuren, aber nicht das so nützliche Butyrat, sondern eher Acetat und Propionat.

Wie profitieren wir von Akkermansia?

Akkermansia stärkt die Darmbarriere. Und das ist wichtig, denn eine schwache Darmbarriere fördert Entzündungen und Infektionen. Akkermansien fördern mit ihrem Geknabbere die körpereigene Regeneration der Schleimschicht. Dann ist die immer dick und prall und bietet einen physikalischen Schutz vor Eindringlingen. Und sie tragen indirekt zur Butyratproduktion bei und füttern damit die Darmzellen. Akkermansia konkurriert im Darm mit anderen Schleim abbauenden Bakterien, die die Mucosa dann tatsächlich schwächen können.

Akkermansien verändern aber auch die Aktivität verschiedener Gene mithilfe ihrer Stoffwechselprodukte. Vor allem das Immunsystem wird dadurch angeregt. Die Gene des Fettstoffwechsels sind davon auch betroffen.

Insgesamt beobachtet man bei vielen Stoffwechselerkrankungen einen Mangel an Akkermansia in der Darmpopulation. Übergewicht und Diabetes werden oft genannt. Aber auch entzündliche Darmerkrankungen und Leberfunktionsstörungen sind irgendwie an die Bevölkerungsdichte von Akkermansia gekoppelt.. Schlanke Menschen beherbergen mehr Akkermansien als Moppelchen. Und auch bei sehr sportlichen Menschen findet man viel Akkermansia im Darm.

Allerdings findet man in seltenen Fällen einen Zusammenhang zwischen Darmkrebs und einer hohen Akkermansia Population.

Und nicht zuletzt interessieren sich Akkermansien sehr für Antibiotikaresistenzen, die sie durch sogenannten horizontalen Gentransfer erwerben.

So lebt und gedeiht Akkermansia

Akkermansia ist ein früher Siedler im Darm und ist bestens an das Milieu des Dickdarms angepasst. Die Bakterien sind schon in der Muttermilch vorhanden. Im Gegensatz zu bestimmten Bifidobakterien, die ihren Höhepunkt in der ganz frühen Kindheit haben und dann wieder abnehmen, vermehren sie sich dann stetig. Viele andere willkommene Bakterienarten profitieren von der Anwesenheit der Akkermansien und vermehren sich dann auch.

Akkermansien können geringe Mengen Sauerstoff vertragen (was für ein Darmbakterium nicht selbstverständlich ist) und sogar davon profitieren. Dann produzieren sie statt Acetat vermehrt Propionat und können dabei ihre Energieausbeute noch steigern und sich besser vermehren.

Von dem Acetat, das Akkermansien produzieren, gedeihen andere Darmbakterien, die daraus Butyrat machen. Das wiederum dient den Zellen des Dickdarmepithels als Nahrung.

Sie können die Glycoproteine der Mucosa als alleinige Energie- und Nahrungsquelle nutzen, wissen aber auch Ballaststoffe, genauer Fructooligosaccharide, zu schätzen. Sind die vorhanden vermehren sie sich auch gut. Solche Fructooligosaccharide sind zum Beispiel in Spargel, Chicoree, Zwiebeln, Hülsenfrüchten oder Hafer enthalten. Falls Ihr euren Akkermansien mal einen kleinen Snack gönnen wollt und ihrem Wachstum einen kleinen Schub verleihen. Polyphenole mögen sie auch. Cranberries und dunkle Trauben sollen sehr gut sein. Sie enthalten Polyphenole, die Akkermansia verarbeiten kann.

Akkermansia als Probiotikum

Im Allgemeinen dient eine hohe Dichte an Akkermansien als Zeichen für eine gute Darmgesundheit, ein Mangel als Warnsignal für die Gefahr von Krankheiten. Wegen seiner vielen positiven Eigenschaften sehen Wissen Schaffende Akkermansia als perfekten Kandidaten für neue Probiotika. Studien haben gezeigt, dass die orale Gabe von Akkermania sich positiv auf Übergewicht und bevorstehenden Diabetes auswirkt. Wie es scheint, wirken pasteurisierte, also abgetötete Zellen dabei noch besser als lebende.

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