Juli 23, 2024

Butter oder Olivenöl? Keine Frage des Geschmacks

Butter oder Olivenöl auf dem Teller macht einen Riesenunterschied

Fett ist nicht gleich Fett. Vor tierischem wird meist gewarnt, während uns der Verzehr pflanzlicher Öle ans Herz gelegt wird. Macht es tatsächlich einen Unterschied, ob wir Butter oder Olivenöl bevorzugen?

Nahrungsfette beeinflussen die Zusammensetzung unserer Zellmembranen und wirken sich auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit, die Blutfettwerte und die Entwicklung eines metabolischen Syndroms aus. Und nicht zuletzt verändert es die Zusammensetzung der Bakteriengesellschaft in unserem Darm. Das fanden Forschende heraus, die den Einfluss von Butter oder Olivenöl auf die Darmbakterien von Mäusen untersuchten.

So gingen die Forschenden vor

Für ihre Experimente teilten sie Mäuse in drei Gruppen ein, von denen jeweils eine Gruppe normale Kost mit 3 % Fett, oder entweder reichlich Butter oder Olivenöl mit jeweils 35 % Fettanteil enthielt. Zu Beginn und Ende des Experiments, das 12 Wochen dauerte, bestimmten sie verschiedene physiologische Werte der Versuchstiere und die Zusammensetzung der Darmbakterien.

Butter oder Olivenöl: physiologische Werte

Zum Ende des Experiments hatten die Mäuse von der Buttertruppe am meisten Gewicht zugelegt, und das, obwohl sie am wenigsten Nahrung aufgenommen hatten. Auch ihr Blutdruck war im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen deutlich gestiegen.

Die Mäuse aus den beiden fettreichen Gruppen hatten außerdem deutlich höhere Cholesterinwerte. Allerdings war in der Olivenölgruppe das Verhältnis von HDL/LDL, also „gutem“ zu „schlechtem“ Cholesterin am höchsten und sie hatten die niedrigsten Triglyceridwerte. Das ist auch ziemlich gut.

Auch wenn der Nüchternblutzucker sich nicht unterschied, hatten die Olivenölmäuse weniger Insulin im Blut.

Du bist, was Du isst. Dieses Sprüchlein haben wohl viele schon mal zitiert – und trotzdem in die Butterstulle gebissen. Unglaublich, wie unterschiedlich Butter oder Olivenöl die Weichen in unserem Stoffwechsel stellen.

Wie ging es weiter?

Zurzeit läuft nichts ohne unsere Darmbakterien. Forschende halten es scheinbar für unmöglich, dass wir selbst auch mal dafür verantwortlich sein könnten, was in unserem Körper vor sich geht. Und die Autoren dieser Arbeit machen da keine Ausnahme. Ihr Ziel war es, eine Verbindung zwischen Olivenölverzehr, Darmbakterien und Krankheiten offenzulegen. Um es vorwegzunehmen: Es ist ihnen nicht gelungen. Aber sie fanden etliche Korrelationen zwischen Nahrungsfett und Darm-Mikrobiota.

Um die nahrungsbedingten Veränderungen der Darmflora aufzudecken, analysierten die Forschenden den Kot der Mäuse vor und nach dem Fütterungsexperiment.

Mit ihren Untersuchungen entdeckten sie insgesamt 8 Stämme, 82 Familien, 134 Gattungen und 308 Bakterienarten im Kot der Mäuse. Die waren zu Beginn des Experiments gleichmäßig über die Individuen verbreitet. Und am Ende?

Was mögen die Bakterien? Butter oder Olivenöl?

Von den vielen Bakterien, die sich im Darm der Mäuse tummeln, interessierten sich nur wenige für die Butter – oder – Olivenöl Frage. Durch das ganz grobe Raster beobachtet reagiert nur ein Stamm, nämlich die allseits unbeliebten Proteobakterien. Sie vermehrten sich in der Buttergruppe deutlich.

Bei einer höheren Auflösung sieht man aber, dass nicht nur Proteobakterien auf die Art des Nahrungsfettes reagieren. Manche Familien mögen anscheinend gar kein Fett und ihr Anteil am Darm-Mikrobiom geht bei Butter und Olivenöl im Futter zurück. Dazu gehören Prevotellaceae und Marinilabiliaceae, die beide zum Stamm der Bacteroidetes gehören. Bacteroidetes sind im allgemeinen hochgeschätzte Darmbewohner.

Manche Proteobakterien, wie Desulfovibriaceae, bevorzugen Butter. Andere, nämlich Sutterellaceaea, bevorzugen Olivenöl.

Die Eubacteriaceae, die zu den Firmicutes gehören und ebenfalls beliebt sind, mögen anscheinend Fett und vermehren sich sowohl mit Butter als auch Olivenöl, während andere Firmicuten, Erysipelotrichaceae, Olivenöl bevorzugen.

Interessanterweise machen sich Christensellaceae bei olivenölhaltiger Kost rar. Das ist deswegen verwunderlich, weil Christensenella dafür bekannt ist, dass sie sich im Darm schlanker und hochbetagter Wirte wohlfühlt. Und das sind schließlich die, die einer Mittelmeerkost anhängen und reichlich Olivenöl verspeisen.

Die Vergleiche auf Artebene bestätigten die Befunde. Ulkigerweise fand ein Geschöpf namens Olivibacter, das zum Stamm der Bacteroidetes gehört, trotz seines Namens Butter viel leckerer…

Was sagt uns das nun?

Die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms variiert mit der Zusammensetzung der Nahrung. Der Verzehr von Butter oder Olivenöl korreliert mit der Populationsstärke verschiedener Bakterienarten. Und Butter, als tierisches Fett, fördert die Vermehrung von Bakterien, wie Proteobakterien, die mit der Entwicklung eines metabolischen Syndroms in Verbindung gebracht werden. Olivenöl dagegen scheint sich eher positiv sowohl auf die Gesundheit als auch auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms auszuwirken. Möglicherweise liegt das an Begleitstoffen der Fette. Denn Butter enthält schwefelhaltige Stoffe, die das Wachstum von Desulfovibrio fördern, während Polyphenole im Olivenöl das Wachstum bestimmter Bakterien hemmen könnten.

Dass sich ausgerechnet Proteobakterien in der Buttergruppe vermehren ist doof, denn ihr LPS wirkt sich besonders ungünstig auf die Gesundheit aus, heißt es.

Es ist trotzdem faszinierend, welch starken Einfluss einzelne Komponenten der Nahrung auf die Zusammensetzung der Darmflora haben. Das hat auch schon eine verblüffende Studie zum Verzehr von Hühnchen oder Schweineschnitzel gezeigt.

Bevor Euch jetzt die Butterstulle im Hals stecken bleibt: Es handelt sich bei den Ergebnissen bisher nur um Korrelationen. Einen ursächlichen Zusammenhang konnten die Leute nicht zeigen. Und es handelt sich um eine einzige Studie, der mit einiger Wahrscheinlichkeit einige folgen, die zu anderen Ergebnissen kommen. So ist das fast schon die Regel in der Mikrobiomforschung.

Quelle:

Prieto, Isabel et al. “Influence of a diet enriched with virgin olive oil or butter on mouse gut microbiota and its correlation to physiological and biochemical parameters related to metabolic syndrome.” PloS one vol. 13,1 e0190368. 2 Jan. 2018, doi:10.1371/journal.pone.0190368

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